Irezumi - Ein Gespräch mit Andreas Coenen
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🗻 Zuletzt aktualisiert: March 04, 2026
👺 Autor: Team Shisa
Irezumi (入れ墨) ist eine der ältesten Tätowier-Traditionen der Welt, die sich durch Ganzkörperkompositionen, von Hand gestochene Tinte und Motive auszeichnet, die über Jahrhunderte verfeinert wurden.
Unser Freund Andreas Coenen ist seit Jahren in dieser Welt unterwegs und hinterlässt dabei seine ganz persönlichen Spuren. Als jemand mit einem angesehenen Ruf in der internationalen Tätowierer-Szene als Künstler, Collector und Verleger, hat er mit IKI-The Essence sein bislang ambitioniertestes Projekt veröffentlicht. Ein Bildband über vier Irezumi-Meister, das uns einen seltenen Einblick in ihren Alltag und ihre Arbeitsweise ermöglicht. Was als grobe Outline für einen Blog Artikel began, ist am Ende zu einem einstündigen Interview mutiert, bei dem uns Andreas ein Stück auf diese Reise mitnimmt.
Das vollständige Gespräch gibt es im Video-Format. Wer für den Kontext mehr Infos braucht, kann gerne weiterlesen und danach wieder hierhin zurückscrollen.
Wer ist Andreas Coenen?
Andreas Coenen ist, zusammen mit Bunshin Horitoshi, einer der Gründer von Yokuzuna Coenen Publishing. Ein Verlag, der sich auf Publikationen traditioneller japanischer Tätowierer aus Japan spezialisiert hat. IKI-The Essence ist ihr bisher ehrgeizigstes Projekt in Form eines Bildbandes über vier Irezumi-Meister, ihr Schaffen und ihren Alltag.
Das Buch IKI-The Essence ist erhältlich bei Yokuzuna Coenen Publishing.
Eine kurze Geschichte zum Aufwärmen
Irezumi hat sich als dekorative Kunstform schon während der Edo-Zeit (1600–1868) entwickelt und wurde durch Abbildungen tätowierter Krieger ausgelöst, die in einem populären chinesischem Roman mit dem Titel Suikoden (illustriert von Kuniyoshi Utagawa) zu finden waren. Die starke Nachfrage nach eben solchen Bildern auf der Haut löste einen derartigen Hype aus, dass eine neue Art Künstler auf der Bildfläche erschien: der Horishi.
Während der Meiji-Regierung wurde das Tätowieren um 1868 verboten. Japan war dabei sich dem Westen zu öffnen und Tätowierungen passten einfach nicht in das Bild, welches man vermitteln wollte. Irezumi verschwand in die Hinterhöfen und wurde Teil einer Underground-Kultur. Paradoxerweise war genau das der Moment, in dem westliche Besucher anfingen danach zu suchen.
1948 wurde das Tätowieren wieder legalisiert, aber das Verhältnis zur Körperkunst blieb schwierig. Die enge Verbindung zur Yakuza-Kultur, deren ganzkörperbedeckende Tätowierungen in den Jahren der Prohibition ikonisch geworden waren, hat sich nie wirklich aufgelöst. Noch heute werden z.B. in viele Onsen oder Fitness-Studios tätowierte Besucher abgelehnt.
Was diesen wilden Ritt überlebt hat, dokumentiert Andreas in seinem Buch. Eine lebendige Tradition, die sich seit 200 Jahren nicht wirklich grundlegend verändert hat.
Ein paar Begriffe, kurz erklärt
Tebori: Die traditionelle Technik des Stechens mit der Hand, die das Herzstück von Irezumi bildet. Die Nadeln sind an einem Holz- oder Bambusgriff befestigt und werden von Hand eingearbeitet. Hierdurch ist die Tintensättigung und somit Langlebigkeit der Tätowierung unvergleichlich.
Horishi: Ein traditioneller Irezumi-Meister. Der Titel wird vererbt oder weitergegeben, man gibt ihn sich nicht selbst.
Iki (粋): Ein ästhetisches Konzept aus der Edo-Zeit, welches sich in Stil, Eleganz und raffinierter Einfachheit ausdrückt. Es vereint Natürlichkeit, Zurückhaltung, Tiefe und Zeitlosigkeit und ist schwer in Worte zu fassen, aber man erkennt es sofort wenn man es sieht.
Wabori: Genereller Begriff für traditionelles japanisches Tätowieren, welches mit der Hand ausgeführt wird. Es werden verschiedene Instrumente dafür benutzt u.a. Tebori aber auch Meissel (Nomi).
Warum es sich mit dem verbindet, was wir tun
Irezumi und Budō entspringen derselben Quelle. Die Einstellung hinter dessen was als Shokunin bezeichnet wird: Die vollständige Hingabe des Handwerkers an sein Handwerk. Der Horishi und der Martial Artist sind sich in der Ausübung ihrer Praxis sehr ähnlich, denn sie geben sich beide einer Kunst hin, die sich nicht nur allein durch Können, sondern auch durch Geduld und Durchhaltevermögen auszeichnet. Die Bereitschaft zu akzeptieren, dass der Prozess nicht das Ergebnis sondern das Ziel ist.
Genau diese Sichtweise ist am Ende auch unser Bezugspunkt bei Shisa. Ästhetik und Kontext sind bei uns gleichbedeutend. In unserer Kō Kollektion haben wir auf das klassische Muster des Handwerks, das Kōji-Tsunagi zurückgegriffen. Es versinnbildlicht die Idee, dass Virtuosität durch kleine, konsequente Schritte entsteht.
Danke für's Lesen & Anschauen